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Rot-weiße Ratlosigkeit vor dem Gäste-Kasten

vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

Noch nie hatte der SV Rot-Weiß Queckenberg eine fußballerische Auseinandersetzung gegen eine Abordnung der TSG Bonn bestritten. Doch jede Serie ist irgendwann einmal zu Ende; so geschehen am letzten Sonntag, als mit der TSG III eine schillernd-bunte Multi-Kulti-Truppe auf dem Mount Queck ihre Aufwartung machte.


Aufgrund der bisher verlustpunktfreien Bilanz der Gäste bei 22 Treffern in drei Spielen waren Leifers Beelzebuben gehörig gewarnt. Trotzdem wollte man ein bisschen Geschichte schreiben, den zweiten Heimsieg in Folge einfahren und damit auch das eigene Selbstvertrauen weiter aufmöbeln. Da der Madbachvulkan endlich mal eine fast vollzählige Kapelle dirigieren durfte, ging man auch mit Heißa und Geronimo aufs Parkett, packte Pauken und Trompeten aus. Von Beginn an stimmte die Richtung, die Musik schmetterte vornehmlich tief in des Gegners Hälfte. Allerdings entblößte man dadurch ein wenig leichtsinnig das eigene Hinterteil und bekam in der ersten Viertelstunde zweimal gehörig mit dem Taktstock auf Selbiges (07./12.). Beide Male wurde man klassisch ausgekontert. Aber die Queckianer machten, davon unbeirrt, weiter mächtig Kassalla, waren nun aber auch etwas mehr auf die eigene Abwehrarbeit bedacht. Nach etwas mehr als einer halben Stunde spielte Schütt die erste Geige und setzte den Madbachriesen Jablonski geschickt in Szene. Der Koloss vom Mount Queck pflasterte das Leder vom linken Sechzehnereck volley auf die Bonner Bude, doch die Kirsche klatschte hörbar scheppernd an den Querbalken. Statt den nicht unverdienten Anschlusstreffer feiern zu können, lief man weiter einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher. Keine 480 Sekunden später verpasste der einschussbereite Schütt das Spielgerät nur um wenige Millimeter, um seine Farben zurück ins Spiel zu bringen. Mit Schuhgröße 49 wäre da wahrscheinlich mehr drin gewesen. Da man neben diesen wirklich prächtigen Paukenschlägen auch ein paar kleinere Riesen statt im Tor lediglich in der weitläufigen Walachei unterbringen konnte, stand es trotz einer relativ ausgeglichenen ersten Halbzeit 0:2 aus Sicht der Gastgeber.


Auch nach Wideranpfiff trommelten sich die Kerle von der Madbach sowohl ins Spiel als auch weit vor in des Gegners Hälfte. Doch es fehlte sowohl an Präzision als auch dem einen oder anderen Geniestreich, um die gut sortierten Bonner Defensivblöcke zu übertölpeln. Vor allem deren Zehner hatte wohl auch schon in höherklassigen Gefilden Fußballluft geschnuppert und erwies sich als genialer Spielgestalter, Abwehrkoordinator und auch vorbildlicher Disziplinator seiner zuweilen emotional etwas überschäumenden doch trotzdem sympathischen Fußball-Weltenbummler. Kurzum – die Rot-Weißen fanden einfach kein Mittel, um wenigsten ein faules Ei in das Bonner Nest zu legen und damit den Siegesdrops der Gäste nochmal einzuwickeln. Vielmehr erhöhten diese in der 65. Spielminute nach dem Motto „aller guten Dinge sind drei“. Die Hausherren stemmten sich zwar weiter gegen die drohende Niederlage. Aber mit jeder Minute weniger auf der nicht vorhandenen Stadionuhr wurde klarer, dass man heute nix zählbares auf der Habenseite verbuchen würde. Obwohl der Gästesieg spätestens ab der 80. Minute überhaupt nicht mehr zur Diskussion stand, erhitzten sich kurz vor Spielende die Gemüter absolut unnötig auf einen gefährlichen Siedepunkt. Unrühmlicher „Höhepunkt“ war der fällige Platzverweis gegen einen TSG’ler nach grober Unsportlichkeit kurz vor Ultimo.


Doch in der dritten Halbzeit gab es noch einen sportlich fairen und friedlichen Gedankenaustausch zwischen beiden Mannschaften. Während sich die Queckies dabei hingebungsvoll der radikalen Reduzierung der wohltemperierten Gerstensaftbestände widmeten, kippten sich die anderen fast einen ganzen Kasten Cola hinter die Binde. Dabei wurde gelacht und gefachsimpelt wie in der guten alten Zeit an einem Stammtisch in der Kneipe, Hände wurden geschüttelt und man wünschte sich gegenseitig viel Erfolg für die noch junge Spielzeit. Das war wieder einmal ein eindeutiger Beweis dafür, dass auf dem Fußballtempelberg das Herz des Fußballs nicht nur schlägt, sondern regelrecht pulsiert. Während der neunzig Minuten darf man sich gern mal spinnefeind sein, vielleicht auch mal etwas die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Wichtig ist, dass man danach das Kriegsbeil begräbt und die Friedenspfeife rundgehen lässt.


Leifer, der Mann mit de Plät, und seine Kerle genießen jetzt ein spielfreies Wochenende. Danach gibt es am Birkenweg in Alfter ein Wiedersehen mit Germania Impekoven II. Der Anstoß ist am 18.10. bereits auf 11:00 Uhr und damit für die Queckenberger Feierbiester zu einer absoluten Unzeit angesetzt.


Erste Legion: Stohr – Meurer, Wendt, Schaaf, Wappenschmidt – Hocke, Hermanns, Jentsch, Schütt, Watty – Krieger

Verstärkung: Zimmer, Jablonski, Becker, Nolden, Gül

 
 
 

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