Rot-weiße Pistoleros wüten in Tannenbusch
- 9. März
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Aktualisiert: 10. März
Zu einer recht unchristlichen Uhrzeit hieß es letzten Sonntag: Pferde satteln und gen Osten reiten. Bereits um 08:45 Uhr, also quasi noch vor dem Aufstehen, trafen sich Leifers Beelzebuben am Burgerking zu Rheinbach und marschierten in den Sonnenaufgang. Grund war die vom Fußballkreis gnadenlos auf 10:30 Uhr festgesetzte Anstoßzeit bei der Bonner Sportgemeinschaft in Tannenbusch. Hier wurde man denn auch mit einem noch leicht kokelnden und vor sich hin miefenden, abgefackelten Müllcontainer begrüßt, aber das nur am Rande.
Zwar musste der Trainer schon wieder verletzungsbedingt seine Startelf munter durchrotieren lassen. Doch die Kerle vom Mount Queck begannen ihr Tagwerk hochkonzentriert und mit enorm viel Tatendrang. Während die Gastgeber bemüht waren um ein kombinationssicheres Spiel, fühlten sich die Queckies in ihrer Rolle als verwegene Fußballoutlaws sauwohl, peppten ihren beherzten Auftritt aber immer wieder mit sahnigen Kabinettsstückchen gehörig auf. Die komplette Formation verdiente sich die Kickerbestnote 1,0, trotzdem musste man bei einem Madbachtitanen an die Eins noch zwei goldene Sternchen anheften: Alex Breininger definierte die Rolle des raubeinigen, stets für das Gute kämpfenden Antihelden, der keine Gefangenen macht, über 95 Minuten noch einmal vollkommen neu.
In einer grundsätzlich ausgeglichenen ersten Hälfte profitierten die Einheimischen nach 17 Minuten von einem Sonntagsschuss, der dem Schützen so wahrscheinlich kein zweites Mal in seinem Leben gelingen wird. Fast so traumhaft wie das Fußballkaiserwetter wurde die Kugel von der linken Sechzehnerkante in den rechten Gambel gezuckert. Neff konnte da nur machtlos staunend hinterher schauen. Davon unbeirrt kämpften die Voreifler technische Defizite weiter vorbildlich weg. Mr. Überall, Lasse Schütt, peitschte sein Schwadron unnachgiebig nach vorn. Unter seinem Kommando galoppierten die Gäste über das Kunstrasengeläuf und flimmerten mit den immer stärker werdenden Sonnenstrahlen um die Wette. Auch der an der Außenlinie nahe an einer Naturkatastrophe pulsierende Madbachvulkan gönnte seinen Jungs kaum eine Verschnaufpause und beschwor sie immer wieder in Richtung Kasten der Bonner SG. Leider konnten die mit großer Leidenschaft erkämpften Torchancen nicht zum verdienten Ausgleich genutzt werden. Und wie zum Trotze musste fünf Minuten vor dem Pausentee ein weiterer Gegentreffer hingenommen werden. Eine von links getretene Flanke fiel am rechten Pfosten wie ein Meteorit aus dem All senkrecht runter und aus gefühlt 1.000 Füßen bugsierte ein Bonner Zehennagel die Pille über die Linie. Diesen Dusel kann man seit geraumer Zeit fast ausschließlich bei den Gegnern „bestaunen“, während der Fußballgott bei den Rot-Weißen in solchen Situationen eher wegzuschauen scheint.
Doch auch dieser herbe Rückschlag konnte die Queckianer nicht umwerfen. Es wurde alles in die Waagschale geworfen, um mindestens ein Pünktchen aus der Bundesstadt zu entführen. Als die Gastgeber in der 64. Minute gar auf 3:0 erhöhten, zogen die Kerle von der Madbach nochmals mächtig die Zügel an und gaben ihren Pferden kräftig die Sporen. Aufgeben war keine Option! Im Gegenteil – die Outlaws luden nun sämtliche Gewehrläufe und mutierten zu wilden, hemmungslos um sich ballernden Pistoleros. Die letzten 20 Minuten berannten und beackerten sie in einem beinah besessen-geisteskranken Zustand alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Schmerzen wurden in diesem fieberhaften Rausch ignoriert, nicht mehr wahrgenommen oder einfach rausgerannt. Hinten gab es kaum mehr ein Halten. Fatone und Nehring verteidigten nun im gegnerischen Halbfeld. Der Neffster war regelmäßig an der Mittellinie zu finden. Meurer und J. Schaaf bildeten mit Watty und Hocke eine ungewöhnliche, aber extrem schmerzhaft zukneifende Doppelflügelzange auf den Außen. Jentsch und eben besagter Breininger erfanden mit der 32 einen völlig neuen Spielertypen, indem sie jeweils Zehner und Sechser in einem waren. Ganz vorn knallten Schütt und Zimmer dem Schlussmann immer bedrohlicher die Kugeln um die Ohren. Mit Hermanns und Leifer ergänzten zwei Geheimwaffen von der Bank das rot-weiße Killerkommando äußerst eindrucksvoll. Die Art und Weise, wie Schütt schließlich noch einmal mächtig Kohlen auf das Fünkchen Hoffnung legte, bewies den absoluten Willen, hier noch etwas zu reißen. Er wirbelte sich als Ein-Mann-Torpedo in den Bonner Sechzehner hinein, luchste einem übertölpelten Defensivtrio das Bällchen ab und drosch das Leder am Fünfmeterraum unhaltbar vom Innenpfosten in die Maschen. Jetzt gab es erst recht kein Halten mehr. Offiziell zeigte die Stadionuhr noch zwei Minuten an. Die sich nun wie paralysiert und gelähmt über den Platz schleppenden Gastgeber bettelten um den Schlusspfiff. Nur 120 Sekunden später jubelten erneut die Gäste und es schien, als ob hier gleich ein kleines Wunder gelingen könnte. Leifer spitzelte eine Ecke direkt ins Epizentrum, Jentsch glänzte mit No-Look-Pass auf Breininger. Und der krönte seine Galavorstellung mit dem Anschlusstreffer, gleichbedeutend mit seinem ersten Pflichtspieltor überhaupt. Danach reckte der Unparteiische vier Finger in die Höhe – also 240 weitere Sekunden hier noch von den Toten aufzuerstehen. Der RWQ zog die Schlinge immer bedrohlicher um den Hals der Einheimischen. Weitere Eckstöße, spitzbübisch getreten vom Übungsleiter höchstpersönlich, sorgten für Alarmstufe Rot-Weiß. Mit der letzten Aktion im Spiel surrte die Kirsche nur um Millimeter über den SG-Querbalken, sodass die wahnsinnig-wahnwitzige Aufholjagd leider doch nicht belohnt wurde. Diese Schlussphase war ein absoluter Härtetest selbst für beste Herzschrittmacher und härteste Beruhigungstropfen!
Nach dem Abpfiff des sehr souveränen Ekkehard Bialas konnte kaum noch ein Gästespieler aufrecht stehen, geschweige denn gehen. Vor allem die Enttäuschung, dass man so kurz vor einem Erfolgserlebnis wieder mit leeren Händen dastand, ließ die Erschöpfung noch schneller in die geschundenen Körper zurückkehren. Unabhängig von dem Ergebnis war Dave Leifer stolz wie Oskar auf seine Truppe. Das war ehrlich, das war Herz, das war einfach nur Queckenberg. Genauso müssen sie sich nächsten Sonntag auf dem Mount Queck in die Schlacht werfen. Dann lacht gegen Hertha Bonn II die Sonne nicht nur hoch oben am Himmelszelt, sondern auch in den Herzen aller Queckies. Wie gewohnt, wird dann ab 15:00 Uhr gegen die Pille getreten.
Erste Legion: Neff – Meurer, Fatone, Nehring, J. Schaaf – Watty, Breininger, Jentsch, Schütt, Hocke – Zimmer
Verstärkung: Hermanns, Leifer Eiserne Reserve: Domath

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