Wenn man zu spät aufwacht…
- Daniel Kunze
- 10. Dez. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Sechs Tore kassiert und verloren – trotzdem mal wieder in die Herzen der Fans geballert! Nur so kann man die run-and-gun Vorstellung des SV Rot Weiß Queckenberg beim SV Niederbachem III vom letzten Sonntag zusammenfassen. Am Ende fehlten vielleicht 120 Sekunden oder mehrmals lediglich 25,2 Millimeter, die den RWQ von einem verdienten Auswärtspunkt trennten. Obwohl die Queckies die ersten drei Riesen in dieser Partie herausspielten und jeweils nur um Tesafilmbreite das Torgestänge außen rasierten, stand es nach einer knappen halben Stunde 0:2 aus Sicht der Gäste. Vor allem das Zustandekommen des zweiten Gegentreffers spiegelte ernüchternd wider, wie nah am zweiten Advent Freud und Leid zu Ungunsten der Gäste verteilt waren. Iceman Dennis Claßen, heute in vorderster Front als Stoßstürmer aufgeboten, pflasterte das Leder von der Sechzehnerkante ans Lattenkreuz. Daraus entwickelte sich ein Konter der Einheimischen. Nücken kratzte das Ferngeschoss mit der linken Mittelfingerspitzenkuppe noch geradeso an den rechten Pfosten. Doch der Abpraller pingpongte an seine linke Ferse und von da über die Linie (27.). Während man also vorn kein Glück hatte, kam hinten auch noch Pech dazu; beschissener hätte es gar nicht laufen können! Umso bitterer notierte man gar das 3:1 vier Minuten vor dem Pausentee. Den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer zum 2:1 spitzelte Schütt überlegt am Torhüter vorbei in die Maschen nach Kureks Traumpässchen; eine Kombination, die später noch mehrfach für Schlagzeilen sorgen sollte.
Die ersten zehn Minuten nach Wideranpfiff war die Defensivabteilung wohl noch in den Stadionkatakomben. Das dadurch sperrangelweit geöffnete Scheunentor lud Niederbachem förmlich ein zum Tore schießen, was der Gastgeber dankend annahm. Es brach bitterböse herein über die Kerle von der Madbach und schepperte hinten zweimal. Dabei fischte und wischte Nücken noch einige Geschosse über und neben sein Tor, war bei den Gegentreffern jedoch stets machtlos und einfach nur bemitleidenswert. Trotz der kaum nachvollziehbaren Aussetzer im rot-weißen Hinterland hatte der Gästemob des Öfteren auch den Torschrei auf den Lippen. Doch wie schon in Halbzeit eins blieb er im Halse stecken. Zwar durfte fast jeder der Madbachelfen mehr als einmal ran, aber keiner konnte die Kugel versenken. So lag die Uygur-Streitmacht nach 55 Minuten scheinbar aussichtslos 5:1 zurück. Statt eines tatsächlich möglichen 7:7 war zu diesem Zeitpunkt der gallebittere Siegesdrops scheinbar gelutscht.
Doch auf einmal eskalierten sich alle Mannschaftsteile in einen Fußballtaifun. Der ohnehin schon omnipräsente Schütt geilte sich in totale Ekstase und tänzelte scheinbar schwebend, wie einst Diego Armando Maradona, über das Geläuf. Seinem Namen Mr. Überall alle Ehre machend, riss er das Spiel an sich und all seine Mitstreiter folgten ihrem Messias ab sofort blindlings ins gelobte Fußballland. Dabei wusste er in Dustinho Kurek einen Edelhelfer an seiner Seite. Angetrieben von diesen fußballgottgleichen Geschöpfen zog der RWQ 180 Sekunden nach dem vermeintlichen Todesstoß das Messer wieder aus seinem geschundenen Leib. Claßen steckte die Pille durch auf seinen Capitano, und der überlistete den Schlussmann zum 5:2. Was zunächst lediglich als Ergebniskosmetik wahrgenommen wurde, sollte tatsächlich den Auftakt bilden für eine gnaden- und bedingungslose Aufholjagd. Hinten vernagelte Nücken als letzter Mohikaner sein Gehäuse, während all seine Vorderleute ins Feindesland einfielen, um nimmersatt auf Torejagd zu gehen. Immer wieder brannte es im Strafraum der Gastgeber lichterloh, doch noch konnte dieser die Flammen austreten. Sprich: Chancen von Kurek, Claßen, Wappenschmidt, Klemm, Schütt und Becker sowie edelste Ferngeschosse von Nehring, Ruhrmann und Paffenholz konnten nicht verwandelt werden. Vielmehr nutzte der Gastgeber einen der sich nun zahlreich ergebenden Konter zum 6:2. Doch noch verblieben 20 Minuten der Hoffnung. Immer weiter peitschte Schütt die seinen nach vorn! In der 75. Minute stand der Madbachtitan in den Lüften wie einst die Königskobra Martin Ring, ließ es mit dem Schädel mächtig krachen und rungste einen Kurek-Freistoßchip zum 6:3 in die Maschen. Nur 120 Sekunden später fand Kurek, diesmal mit adleräugigem Zuckerpass, abermals (K)Lasse Schütt, welcher im Fallen aus halblinker Position das Gerät knapp neben dem rechten Innenpfosten einschweißte. Nun fehlten nur noch zwei verdammte Tore, um zumindest einen Punkt auf den Mount Queck zu entführen. Chancen dafür gab es zuhauf. Mal klärte ein Abwehrspieler für den bereits geschlagenen Torwart, mal entschärfte dieser bravourös, mal fehlten die bereits angesprochenen, berühmten Millimeter. Und ab und an musste man auch den bereits abgespulten Kilometern Tribut zollen, so dass die letzte Konzentration fehlte. Doch vier Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit schlug das kongeniale Duo erneut zu: Traumpass Kurek, trockener Vollspann Schütt – 6:5. Es konnte so einfach sein, und trotzdem war es an jenem Tage so schwer. Ohne Unterlass lief die rot-weiße Angriffsmaschine, quälte sich bis zur völligen Selbstzerstörung! Der Kasten von Niederbachem wurde unter schweres Artilleriefeuer gelegt. Bis in die 95. Minute glich der Sechzehner der Gastgeber einer sturmreif geschossenen Zitadelle. Aber der lucky Punch blieb Uygurs Legion verwehrt. Schließlich bleiben ein sagenhafter Fünferpack inklusive lupenreinem Hattrick von Mister Überall sowie vier Scorerpunkte für Kurek als Meilensteine in der jüngeren RWQ-Historie. Leider konnten diese stolzen Zahlen nicht mit zählbaren Punkten vergoldet werden.
Da die Kerle von der Madbach in dieser Saison viel zu oft erst ab der 50. Minute und damit viel zu spät ihr Herz in beide Hände genommen hatten, bedeutete das 6:5 die insgesamt siebte vermeidbare Niederlage. Damit überwintern die Queckies auf Tabellenplatz 11, wohl wissend, dass da enorm viel Luft nach oben ist. Nun heißt es Wunden lecken, das Weihnachtsfest genießen und dann, in der Rückrunde, jeweils bereits zu Spielbeginn mit Vollgas in die Partie starten. Erstmals möglich ist das am 16.03.2025. Anstoß ist um 11:00 Uhr beim SC Volmershoven-Heidgen III.
Erste Legion: Nücken – Wappenschmidt, Paffenholz, Nehring, Meurer – Neff, Kurek, Klemm, Schütt, Becker – Claßen
Verstärkung: Erol, Ruhrmann; Eiserne Reserve: Schaaf, Uygur
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