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Last Men Standing

21. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Sept.

Es gibt Spieltage, an denen das Schicksal die Queckies bereits vor dem Anpfiff mit der ganz groben Kelle bedient, so geschehen am letzten Sonntag. Denn während das sportliche Kompetenzteam rund um Dave Leifer nebst einiger wichtiger Säulen des Stammkaders beim niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam weilte, offiziell zur „taktischen Weiterbildung an der Gracht“, inoffiziell vermutlich auf der Suche nach dem heiligen Gral des Totaalvoetbal, reisten die verbliebenen elf Aufrechten, die Last Men Standing des SV Rot-Weiß Queckenberg zum absoluten Ligakrösus TB Witterschlick III. Der Spitzenreiter hatte seine bisherigen Gegner mit einer astronomischen Tordifferenz von sage und schreibe 23:1 aus den ersten beiden Spielen regelrecht aufgefressen und wartete nun wie einst Xerxes vor den Thermopylen auf die arg reduzierte Rumpfelf vom Mount Queck.

 

Als Ersatzcoach an der Seitenlinie fungierte Dominik „Jabl“ Jablonski. Der nahm seine neue Rolle bierernst und das im wortwörtlichen Sinne. So patrouillierte er am Samstag bis weit nach Mitternacht über die Rheinbacher Kirmes, um sicherzustellen, dass seine Schäfchen rechtzeitig ins Heia-Bettchen kamen, um dort selbige zu zählen. Aufgrund des chronischen Spielermangels war die Aufstellung schnell gemacht. Die taktische Herangehensweise wurde von Jabl unter das Motto „den Bus parken“ gestellt. Obendrein sollte vor diesem Doppeldecker bester Friedhelm-Funkel-Gedächtnis-Zement angerührt werden. Doch leider verspäteten sich sowohl das sechsrädrige Vehikel als auch der Zementmischer in bester KVB- bzw. DB-Manier um locker 15 Minuten. Genau 300 Sekunden waren von der Uhr genommen, als das Leder bereits das erste Mal im Gäste-Kasten zappelte. Die quirligen Hausherren hatten nun vampirverdächtig Blut geleckt und stellten in der ersten Viertelstunde mühelos auf 3:0. Wer nun dachte, das rot-weiße Kartenhaus würde komplett in sich zusammenbrechen, wurde eines Besseren belehrt. Angeführt von Abwehr-General Hauke Wendt und dem unermüdlichen Nolden im Defensivverbund schalteten Leifers Beelzebuben um vom „Tag der offenen Tür“ auf „kontrollierte Schadensbegrenzung“. Zudem lief der Betonmischer endlich auf Hochtouren und Meurer, Jentsch und Hermanns erwiesen sich als abgewichste Busfahrer. Zwar schraubte der Witterschlicker Offensiv-Express das Ergebnis bis zur Halbzeitpause auf 6:0. Doch die Queckianer stemmten sich mit wirklich allen Körper(genital)teilen gegen ein drohendes Debakel. Die eigenen Knochen gehörig schindend ließ man die Heimmannschaft für diese drei Treffer ordentlich buckeln. Nach vorne setzten die blitzschnellen Krieger, Zimmer und Schütt extrem garstige Giftpfeile. Dabei hatte Ersterer zweimal Pech. Zunächst kratzte der Witterschlicker Keeper seinen raffinierten Schlenzer noch mit den Fingernägeln aus dem Gambel. Zehn Minuten vor der Pause wurde der Sausewind am Fünfmeterraum elfmeterreif am Einschuss gehindert. Doch der absolut berechtigte Pfiff des ansonsten souveränen Referees blieb ebenso aus wie das Signal aus dem Kölner Keller.

 

Aufgrund der enormen Leistungssteigerung in der letzten halben Stunde konnte Jabl in der Halbzeitanalyse seinen Kämpfern „nur“ sagen: Weiter so!!! Diesen Gefallen taten ihm seine Getreuen mit voller Inbrunst. Während der Gastgeber die zweite Halbzeit etwas zu kühn mit der Zielstellung anging, den Gegner zweistellig vom Geläuf zu fegen, grätschten, rannten und ackerten, bissen, bluteten und kratzten die Rot-Weißen, als müsse man abermals bei Sturm und Wind auf Asche Merzbach in die Knie zwingen. Der Sekundenzeiger musste 25mal das Ziffernblatt umrunden, bis die Einheimischen wieder einmal netzen konnten. Bis dahin biss man auf qualitativ hochwertigen rot-weißen Granit (Stichwort Betonmischer)! Wenn dann doch mal ein Bällchen durchrutschte, gab es da ja immer noch Dennis Stohr. Der Krake im RWQ-Kasten bewies mehrfach, dass er trotz mehrjähriger Fußballabstinenz seine Keeper-Qualitäten nicht verlernt hatte. Nach vorne wurden die Entlastungsangriffe tatsächlich seltener und wenn, dann blieb man meistens in der vielbeinigen Abwehr der Hausherren hängen. Dies war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass die Wappenschmidt, Hocke und Co mangels Alternativen auf der Ersatzbank, nämlich keiner, keine Gelegenheit zum Verschnaufen hatten. Dagegen konnte TB immer wieder frisches Öl ins Feuer gießen. Trotz dieser Waffenungleichheit wurde in der 65. Minute ein rot-weißes Kabinettstückchen allererste Fußballsahne dargeboten. Nach bärenstarker Balleroberung im Mittelfeld wurde die Kirsche in Lichtgeschwindigkeit zu Mr. Überall teleportiert, der im One-Touch-Stil Kai Krieger an der Mittellinie bediente. Dann wurde es Tor-des-Monats-verdächtig auf der Sportanlage am Schurweßel: KK sah, dass der Witterschlicker Schlussmann viel zu weit vor seinem Kasten stand, fackelte nicht lange und zog aus exakt 48,52 Metern ab. Der Ball flog hoch, beschrieb eine Parabel von mathematischer Schönheit, küsste kurz das Himmelszelt und stürzte sodann adlergleich und todbringend gen Witterschlick-Gehäuse, um da im rechten Winkel einzuschlagen, gleichbedeutend mit dem Ehrentreffer zum zwischenzeitlichen 1:7! Dieser Augenschmaus erwärmte die rot-weißen Fußballseelen und wirkte nach Spielende wie Balsam, trotz des deutlichen 1:9 Endergebnisses. Vollkommen zu Recht schritten die Madbachelfen hocherhobenen Hauptes vom Platz und durften verdientes Trainerlob einheimsen.

 

Am 27.09. reist mit dem SV Niederbachem III ein weiterer fetter Brocken auf den Mount Queck. Mit drei Siegen aus drei Spielen sind die Rollen zu Gunsten der Gäste klar verteilt. Anstoß auf dem Fußballtempelberg ist wie gewohnt um 15:00 Uhr.

 

Erste Legion: Stohr – Meurer, Wendt, Nolden, Wappenschmidt – Zimmer, Jentsch, Hermanns, Schütt, Hocke – Krieger

 
 
 

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