Erst Schneewalzer, dann Ballett und schließlich Rock N Roll
- Daniel Kunze
- 17. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Zum Rückrundenauftakt wetzte der SV Rot-Weiß Queckenberg mit dem gastgebenden SC Volmershoven-Heidgen III die Messer. 60 Minuten vor Anpfiff lag die Sportanlage noch verborgen unter einer wunderschönen Puderzucker-Schneedecke. Doch da sich darunter keine tückisch-gefährliche Eisschicht gebildet hatte, wurde pünktlich um 11:00 Uhr das Spieljahr 2025 eröffnet.
Die Uygur-Streitmacht fühlte sich von der ersten Spielsekunde an sauwohl in den fremden Gefilden und tänzelte sich in eine kleine Schneewalzerekstase. Die weiße Pracht wurde gehörig aufgewirbelt und den Einheimischen ins Angesicht gepustet, so dass diese für lange Zeit sowohl den Überblick als auch den Durchblick für das Spielgeschehen verloren. Bereits nach 62 Sekunden schlappte Kurek zur Eckfahne und jagte das Leder halbhoch an den Fünfmeterraum. Dort lauerte Nehring, verlängerte per No-Look-Pass zu Klemm. Und das Queckenberger Urviech schweißte mit der Picke gnadenlos ein zur viel umjubelten Gästeführung. Dieser Paukenschlag verlieh den Queckies enormes Selbstvertrauen. Man sah da elf Titanen von der Madbach rotzig und erbarmungslos wie Eisbären aber auch edel und galant wie Schwäne über den perlweißen Teppich fegen. Es wurden weitere Großchancen kreiert, leider vergaß man bei aller brutaler Schönheit einen reinzumachen. In der 22. Minute wurde daher einmal mehr die schmerzhafte Fußballphrase bestätigt: wer vorne versiebt, wird hinten besiegt! Tatsächlich legte, geschockt von diesem Gegentreffer, das bis dato noch glanz- und schwungvoll den Fußballtakt vorgebende Ensemble kurz das Tanzbein hoch, nur um ca. fünf Minuten später umso brachialer das Tempo anzuziehen. Voll fokussiert rauschte man sich in ein Fußballballett auf Schnee. Vor allem der Capitano, Mister Überall Schütt, riss das Spiel an sich, eroberte teilweise am eigenen Sechzehner die Kirsche, um dann entweder als raffinierter Ballverteiler oder mit dem Ball am Fuß als kühner Eroberer die Attacken auf das SC-Gehäuse einzuleiten. Daraus ergaben sich abermals Einschussmöglichkeiten en masse. Doch aus dem Spiel heraus wollte kein Treffer gelingen. So griff man zu Altbewährtem: nach einer halben Stunde lag die Pille wieder an der Eckfahne, um von Kurek in die Gefahrenzone eingeschleust zu werden. Abermals spritzte Nehring in diese maßgeschneiderte Traumecke und ließ per Monsterkopfball dem bemitleidenswerten Torhüter nur das Nachsehen. Die Prima-Eifel-Ballerinas zauberten weiter, machten die Räume eng, packten bereits im gegnerischen Halbfeld zu und bauten in jedem Quadranten magische Bermudadreiecke auf. So kamen die Gastgeber kaum ins Spiel. Man begnügte sich jedoch unnötigerweise mit der zwar hoch verdienten aber ausbaufähigen, knappen Halbzeitführung. Chancen für eine kleine Vorentscheidung waren zuhauf vorhanden.
Der rot-weiße Chancenwucher sollte sich denn auch kurz nach Wideranpfiff bitter rächen. Die Queckies hatten wohl ihre Okulare noch nicht richtig justiert, und schwuppdiwupp hatten die Grünen ausgeglichen (50.). Es dauerte gut weitere zehn Minuten, bis man sich wieder ins Spiel hineingebissen hatte. Doch nachdem im ersten Durchgang noch nach klassischen Noten gespielt wurde, wechselte man nun Tempo und Ton: mit Rock N Roll in Reinform wurde das Schlacht-, ähm… das Spielfeld zurückerobert und damit auch die Herzen der mitgereisten Fans. Getreu dem Motto Highway To Hell, hauten die Kerle von der Madbach voll in die Saiten und auf die Trommelfelle. Zwar gabs jetzt eher was auf die Ohren als für die Augen, aber die Abteilung Attacke zog die Schlinge immer enger um den Hals der Gastgeber. Gefielen Meurer und Erol schon in der ersten Halbzeit durch ihren unerschöpflichen Einsatz, so steigerten sich die beiden Vorzeigekampfschweine in einen rasenden Blutrausch und zogen in einen wahren Vernichtungsfeldzug. Marc Wilmots, einst Begründer dieser Spielerkategorie, hätte die beiden an jenem Sonntag wohl ohne zu zögern zu seinen Blutsverwandten ersten Grades erhoben. Aber auch Ruhrmann sowie die zu diesem Zeitpunkt schon neben dem Feld der Ehre ihre Wunden leckenden Watty und Becker haben ihren Gegenspielern nicht den Dreck unter den Fingernägeln gegönnt. Dafür, dass die Rocker weiterhin künstlerisch wertvoll ablieferten, waren Arenz, Kurek und einmal mehr Schütt zuständig. Bezeichnend für das druck- und drangvolle, jedoch vorerst nicht von Erfolg gekrönte Powerplay waren die 60. bis zur 67. Minute. In dieser knallfetten Sturm- und Drangphase hatten die lautstarken Ultras um Dauereinpeitscher Clemens dreimal den Torschrei auf den Lippen. Doch stets wurde das Leder noch von der Linie gekratzt. Als dann, zehn Minuten vor Ultimo, den Einheimischen ein möglicher Elfmeter verwehrt wurde, kochten die Emotionen auf beiden Seiten kurz mächtig hoch. Aus Queckenberger Sicht muss man gestehen: Zum Glück war der Kölner Keller um diese Uhrzeit noch nicht besetzt! Kurz danach konzentrierte man sich wieder aufs Fußball spielen. Es war schließlich Erol, der seine herausragende Vorstellung krönen und auf Auswärtssieg stellen durfte. Klemm hatte mal wieder einen Einwurf Richtung Elfmeterpunkt geschleudert, und Schütt verlängerte mit Köpfchen auf den aus dem Hintergrund einfallenden Erol. Der jagte das Bällchen aus vollem Lauf mit Vollspannklebe unters Lattenkreuz (83.). Nach der Devise „laut – lauter – Queckenberg“ sang und tanzte und schmetterte der Mob von der Madbach voller Inbrunst und verwandelte die Gästekurve bis zum Abpfiff in ein tolldreistes, rot-weißes Gürzenich-Cabrio!
Es war am Ende ein knapper und deshalb etwas glücklicher Dreier in der Fremde. Aber gemessen an Spiel- und Chancenanteilen, an Spielwitz, Tempowechseln, gnadenlos defensiver Drecksarbeit sowie eiskalten Killerinstinkten bei Standards konnte am Ende nur eine Mannschaft als Sieger vom Platz gehen. Jetzt genießen die Queckies erstmal die jecke Zick. Am 09.03. ist man im Pennenfeld gefordert, wenn es ab 11:00 Uhr beim VfL Lannesdorf wieder um Tore, Punkte und Ehre geht.
Erste Legion: Claßen – Meurer, Klemm, Nehring, Becker – Erol, Ruhrmann, Kurek, Arenz, Watty – Schütt
Verstärkung: Wappenschmidt, Oppermann, Zimmer Eiserne Reserve: Schaaf, Nücken, Uygur
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