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Rot-weiße Kriegsmarine auf dem Mount Queck

vor 3 Tagen
4 Min. Lesezeit

Am fünften Spieltag der noch recht jungen Saison reiste mit dem SV Niederbachem III ein richtig fetter Brocken auf den Mount Queck. Schließlich gestalteten die Gäste ihre bisherigen Aufgaben allesamt siegreich bei einer beachtlichen Torbilanz von 18:4. Doch David Leifer, der Mann mit de Plät, hatte sich am Abend vorher ausgiebig der Lektüre über Marineinfanterie und Militärgeschichte hingegeben. Kühn, durchtrieben und verwegen aber auch strategisch und taktisch ausgeklügelt wie einst Francis Drake befahl er seine Beelzebuben in ein episches Gefecht.


Der Anpfiff des über die komplette Spielzeit souveränen Riadh Nejah hallte noch von den sieben Weihern zurück, da wurde das Echo schon vom ersten Fanaufschrei übertönt. Schütt war am Fünfmeterraum einschussbereit aufgetaucht. Doch mit Vollspannklebe drosch er die Pille direkt auf den Schlussmann, der danach wohl einige Hämatome an beiden Oberarmen zu verarzten hatte. Mit diesem satten Kracher waren alle Zeichen auf Sturm gesetzt. Die rot-weißen Fußballsegel wurden jetzt noch höher gezogen und die Geschütze auf der Madbacher Fregatte aufmunitioniert. Für die gefährlichsten Einschläge zeichneten die Kanoniere Hermanns, Zimmer, Watty und Hocke verantwortlich. Vor allem Tower Hermanns hatte gleich mehrere Chancen, um seinen Debüttreffer im RWQ-Jersey einzutüten. Es haperte allerdings bei allen ein wenig an der Feinjustierung. So blieb wie schon nach 23 Sekunden der Torjubel stets im Halse stecken. Da man die eigenen Dinger vorne nicht machte, musste man hinten jederzeit auf der Hut sein, um nicht in Rückstand zu geraten. Aber das defensive Bollwerk schuftete an jenem Sonntag Extraschichten. Wie schnelle und wendige Minenjagdboote kreuzten Meurer, Schaa(r)f und Wappenschmidt im eigenen Strafraum, um den Kasten vor Feindbeschuss zu bewahren. Davor lauerten die Fußballdinos Jentsch und Nolden wie U-Boote auf Überwachungsfahrt und griffen eiskalt zu, wenn der Gegner in die rot-weißen Hoheitsgewässer eindringen wollte. Zweimal wurde es brenzlig in der Queckenberger Box. Doch im Verbund aller Waffen wurde eisern die Null verteidigt. Sinnbildlich dafür sei eine Szene aus der 32. Spielminute geschildert. Ein Querpass im eigenen Strafraum, der Leifer‘s längst nicht mehr vorhandene Lockenpracht zu Berge stehen ließ, prallte einem Gegenspieler auf den Fuß. Meurer opferte beinah sein Leben und grätschte sich kamikazegleich in das Geschoss, wie es RWQ-Legende „Fetti“ Declair in seinen goldensten Momenten nicht besser hätte machen können. Auch der Abpraller blieb in den Niederbachener Reihen kleben. Doch da kam „Zöpfchen“ Zimmer aus dem Nichts eingeflogen, um schlimmeres zu verhindern. U.a. diese Szene sollte in einem Lehrfilm auf ewig der Nachwelt zur Verfügung gestellt oder zumindest Kloppo für das nächste Länderspiel zugeflüstert werden. Dann würde gegen Serbien hinten aber auch wirklich gar nix anbrennen. Da das rot-weiße Trommelfeuer vorn (noch) nicht vernichtend zünden konnte und hinten radikal ausgeputzt wurde, wechselte man torlos die Seiten.


In Halbzeit zwei wurde die Angriffswucht der Queckenberger Armada nur unwesentlich gedrosselt. Doch das wirklich kaum spürbar langsamere Tempo wurde mehr als kompensiert durch eine taktische Meisterleistung in allen Mannschaftsteilen. Großen Anteil daran hatten auch die schon längst in den Kampfverband integrierten Allzweckwaffen Becker, Jablonski und „Gattuso“ Breininger. Überall war die akribische Trainerarbeit des Madbachvulkans zu erkennen. Rund um die Mittellinie wurden alle in der Geometrie bekannten Dreiecksvarianten strapaziert. Egal ob recht-, spitz- oder stumpfwinklig, ob gleichseitig oder gleichschenklig – die Marineinfanteristen von der Madbach schöpften aus einem nie versiegen wollenden Brunnen an Spielaufbauideen. Auch Doppelpässe wurden beinah schon inflationär eingeflochten, um sich vom eigenen Halbfeld sehenswert weit vor ins Feindesland zu brillieren. Obendrein gefiel man mit einer bombastischen Zweikampfquote, bei der sich (K)Lasse Schütt mit sagenhaften 100 Prozent zum König im Mann gegen Mann Duell krönte. Mit jeder weiteren Spielminute konnte man es mehr spüren, noch mehr fühlen und riechen! Ja, man konnte es anfassen: die Zeit war reif! Und in der 51. Minute war es soweit. Becker, der weiße Brasilianer, ergaunerte das Leder kurz vor der Mittellinie, trieb die Kirsche in des Gegners Hälfte und machte dann seinem Spitznamen wieder einmal eindrucksvoll alle Ehre. Die Art und Weise, wie spitzbübisch er das Spielgerät durch drei gegnerische Beinpaare hindurch in den Lauf von Schütt schnibbelte, hätte ihm noch nachträglich eine Einladung zur Nations League einbringen müssen. Mr. Überall nahm das Spielgerät, gekonnt mit der Fußsohle streichelnd, auf, um es dann mit dem linken Außenrist am herausgestürzten Torwart vorbei ins Netz zu hauchen. Es lösten sich Steinplatten von den Herzen der RWQ-Ultras. Der gewaltige Jubelorkan mitten im Landschaftsschutzgebiet hätte beinah die eine oder andere Umweltorganisation auf den Plan gerufen. Leifer, der an diesem Tage neue Abmessungen für die Coaching Zone erfunden hatte, behielt in dieser Phase tatsächlich nicht nur kühlen Kopf, sondern dadurch auch den wichtigen Überblick. Endlich einmal personell etwas rosiger gebettet, konnte er nun seinen galaktischen Kampfschweinen Ruhepausen gönnen. Er rotierte wahrlich meisterlich, um vor allem den sich vollständig aufgeriebenen Watty, Zimmer und Nolden Erholung zu verordnen. Bis in die Nachspielzeit hinein blies das Queckenberger Kampfgeschwader zur Attacke. Für die angezeigten vier Extraminuten haute sich der Trainer als letzten Joker auch noch in die Schlacht und bezog sofort Stellung auf der rechten Flanke. Dort wurde er einmal mehr von Becker mustergültig auf Reisen geschickt. In diesem Moment machte selbst Küchenfee Lisa aus ihrem Herzen keine Mördergrube und flehte gen Spielfeld: „jetzt Dave, aber bitte jetzt, Dave!“ Wer so lieb und voller Leidenschaft bittet, dem kann man keinen Gefallen abschlagen. Blitzschnell löste sich Leifer von seinem Gegenspieler, um auf Höhe Sechzehnerkante quer zu legen auf den mitgelaufenen Schütt. Der schnürte unhaltbar den vierten Doppelpack seiner Karriere und ließ somit auch die allerletzten Zweifel an einem Erfolg endgültig verstummen. Ein extra fettes Ausrufezeichen für seine Leistung verdiente sich Stohr – im Tor. Der aus der Fußballrente reaktivierte Goalie vertrat den abwesenden Fatone glänzend. So durfte er bereits in seinem zweiten Pflichtspiel im Seniorenfußball den ersten Shutout feiern. Das gelang selbst den größten deutschen Torwartlegenden um Turek, Maier, Schumacher oder Neuer nicht! Und so ganz nebenbei hatte der Teufelskerl noch zwölf Stunden vor Anpfiff ein letztes Gläschen nach dem Reinfeiern in seinen Geburtstag geleert.


Dieser hoch verdiente Heimsieg legte sich wie eine heilende Hand auf die in den letzten Monaten extrem geschundene rot-weiße Fußballseele! Mit dem Dreier konnte der RWQ gleich mehrere unrühmliche Serien brechen; bedeutete er doch den ersten Sieg seit dem 14.12.2025, damals übrigens bei eben jenem SV Niederbachem III. Für den letzten Heimsieg musste man in der Vereinschronik gar eine Woche weiter zurückblättern. Das letzte Spiel ohne Gegentor feierte man vor 16 Monaten und 23 Tagen. Die nächste Aufgabe wartet für die Madbachelfen am 04.10.26. Da das Heimrecht gegen den TSG Bonn III getauscht wurde, spielt man wie gewohnt ab 15:00 Uhr im eigenen Wohnzimmer.


Erste Legion: Stohr – Meurer, Hermanns, Schaaf, Wappenschmidt – Hocke, Nolden, Jentsch, Schütt, Watty – Zimmer

Verstärkung: Jablonski, Becker, Breininger, Leifer

 
 
 

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